A&W: Hyundai hat im Dezember des Vorjahres mit 2.315 Einheiten Platz 2 unter allen Marken erreicht. Wie in den vergangenen Jahren waren auch diesmal viele Kurzzulassungen dabei. Sind Sie mit dem abgelaufenen Jahr zufrieden?

Mag. Roland Punzengruber: Ja, wir haben unsere Absatzziele sogar leicht übertroffen. Im Pkw-Bereich sind wir auch 2025 die asiatische Marke Nummer 1 in Österreich geblieben, das ist schon seit 2009 durchgehend der Fall. Im Jahresendspurt haben wir Seat und Cupra überholt. So nehmen wir mit 4,5 Prozent Marktanteil den 7. Rang ein. Damit bleiben wir mit einer leichten Marktanteilssteigerung unverändert auf Rang 7. 

Wie geht es in den kommenden Wochen weiter?

Punzengruber: Primär geht es darum, unsere gute Kaufvertragsperformance halten zu können. Aufgrund zahlreicher neuer Mitbewerber ist dies mit -Herausforderungen verbunden, denn die Preisspirale bewegt sich nach unten. Ein Trend, dem auch etablierte Mitbewerber folgen. Ich merke, dass die Aggressivität am Markt weiter geht. In diesem Verdrängungswettbewerb ist unser Fokus auf Bestandskunden gerichtet, aber auch in der Fremdmarkeneroberung müssen wir den Markt mit attraktiven Angeboten ansprechen. Hier setzen wir auf unsere alten Stärken.

Wie darf man das verstehen?

Punzengruber: Es ist bekannt, dass Hyundai qualitativ hochwertige Produkte herstellt. Mit über 70 Prozent des Absatzes in Europa aus europäischer Entwicklung und Produktion ist man zudem europäischer als viele europäische Mitbewerber es sind, agiert absolut technologieoffen, zählt zu den Pionieren bei der E-Mobilität und ist auch punkto Innovationen ganz vorn mit dabei. Hyundai als Teil der Hyundai Motor Group zählt nicht umsonst zu den drei größten Herstellern der Welt. Man ist aus meiner Sicht sehr gut für die zukünftigen Herausforderungen aufgestellt.

Und was sagen Sie jenen Händlern, die eine chinesische Marke in ihren Schauraum bringen wollen?

Punzengruber: Hier ist sehr stark zu differenzieren. Mehrmarkenhandel hat in Österreich in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Wenn ich als Händler das Potenzial vorfinde, daraus einen Business Case abbilden kann und zudem die Strukturen, sprich Gebäude und Personal exklusiv dazu habe, spricht -grundsätzlich nichts gegen eine Erweiterung des -Portfolios, sofern die bestehenden Marken dadurch nicht kannibalisiert werden. Dadurch, dass viele neue Marken zunächst mit gar keinen oder nur sehr geringen Standards und damit Investitionen auf den Markt drängen, ist die Versuchung bei vielen Händlern groß. Wenn aber bei den bestehenden Marken das Potenzial in der Vergangenheit nur teilweise abgeschöpft wurde bzw. wird, ist es auf jeden Fall besser, sich auf die bestehenden Marken zu konzentrieren. Wenn man so das in Österreich ein bisserl nebenbei betreibt, hat man zwar viel Aufwand, aber keinen Ertrag. Österreich ist nicht so groß, dass man mit -einem Marktanteil von 1 bis 2 Prozent in den meisten Regionen ein großes Volumen zusammenbringt und dadurch automatisch mehr gewinnt. Eins und eins im Mehrmarkenhandel ergibt selten zwei. Das sollte bei den Überlegungen hinsichtlich Marken-Hinzunahme berücksichtigt werden.

Hyundai wird vermutlich in den kommenden Wochen und Monaten die Kurzzulassungen aus dem November und Dezember verkaufen …

Punzengruber: Kurzzulassungen waren und sind leider immer noch Teil unseres Geschäftsmodells als Privatimporteur mit dem Hersteller. Stringente Bestell- und Retailziele auf Quartalsbasis bedingen auch entsprechende Kurzzulassungen, die bei uns in der Regel im Vergleich zu anderen Herstellern als echte Tageszulassungen in den Markt einfließen. Im letzten Jahr konnten wir aber unsere Tageszulassungen im Vergleich zu den Vorjahren doch deutlich reduzieren. Die Ware wird parallel zu den Neuwagen mit einem entsprechenden Preisabschlag, aber in der Regel mit der Promotion für Neufahrzeuge, aktuell der Super-bonus-Kampagne, kontinuierlich während des gesamten Jahres abverkauft.

Bleibt das Nettopreissystem, das vor einem Jahr gestartet wurde?

Punzengruber: Wir haben im Jänner 2025 dieses System eingeführt, und die Preissenkung bis zu 30 Prozent war ein voller Erfolg. Die Spanne der Händler ist zwar leicht kleiner geworden, doch dafür gibt es nicht mehr den großen Intrabrand-Wettbewerb wie früher. In Kombination mit den Promotion-Elementen warten wir damit mit sehr guten Angeboten auf. Wenn die Kunden den Finanzierungs- und den Versicherungsbonus abgeschlossen haben, gab es dazu bis zu 7.400 Euro on top, wodurch wir die Kaufverträge im vergangenen Jahr zweistellig gesteigert haben. Und weil wir den Kona Elektro zum Preis des Benziners anbieten, haben wir auch die BEV-Ziele gut eingefahren bzw. sogar übertroffen. Seit Jänner haben wir das System nun geändert, indem im Rahmen des Superbonus der Finanzierungsbonus nicht mehr notwendig mit dem Versicherungsbonus kombiniert werden muss. Dafür haben wir zusätzlich einen Eintausch-bonus eingeführt und dadurch ein flexibleres System mit noch attraktiveren Preisen. 

Wie geht es heuer bei den Elektroautos weiter?

Punzengruber: Als erstes kommt mit dem IONIQ6 N ein interessantes Modell, das Hochleistungs--Performance bietet. Im 3. Quartal startet das Face-lift des IONIQ6 und auch der Staria Elektro mit 800-V-Technologie wird dann verfügbar sein. Zahlenmäßig wichtigstes Modell wird aber sicher der IONIQ3, der Anfang Jänner auf der Motor Show in Brüssel vorgestellt wurde und am Ende des 3. Quartals zu uns kommen wird. Mit diesem Fahrzeug wollen wir ins Volumen kommen, wobei wir ja vor allem mit dem Kona Elektro bei den Privatkunden schon bisher sehr gut unterwegs waren. Dieses Modell hat gezeigt was möglich ist, wenn die preisliche Hürde genommen ist.

Wie sehen die Planungen von neuen Modellen abseits der Elektroautos aus?

Punzengruber: Wir machen heuer die Vorbereitungen auf das Produktfeuerwerk, das uns ab November erwartet: Der neue Tucson kommt noch heuer. Und 2027 bringen wir innerhalb eines Dreivierteljahres den Kona, den i20 und den Bayon auf den Markt. Alle sind elektrifiziert bzw. hybridisiert. Den i10 gibt es als Neuwagen nicht mehr, aber noch als Tageszulassung. Er musste weichen, damit der IONIQ3 in unserem türkischen Werk produziert werden kann. 

Nun zum Händlernetz, wo es bei Hyundai ja in den vergangenen Jahren einige Zu-, aber auch Abgänge gab: Bleibt nun alles stabil?

Punzengruber: Es tut sich immer etwas: Zum Beispiel haben wir den exklusiven Flagship-Store in Wien--Erdberg eröffnet. Entscheidend ist, dass wir das Netz qualitativ entwickeln, um die Wichtigkeit des stationären Handels zu betonen. Denn eine Differenzierung zu anderen Vertriebsformen ist nur durch Qualität möglich. Da hinkt unsere gesamte Branche im Vergleich nach wie vor hinterher, zum Beispiel was das Nachtelefonieren betrifft. Und auch wenn wir schon 2015 ein 22-Punkte-Programm mit Basics für den Handel aufgelegt haben, muss man dauernd dahinter sein.