Die Regierung entlastet die Bürger durch eine Verlängerung der Pickerl-Intervalle. Das klingt gut und kostet den Staat in Zeiten hoher Schulden keinen Cent. Die Umsätze fehlen schließlich den zur §57a-Überprüfung ermächtigten Betrieben, also den Kfz-Werkstätten. Darüber hinaus fehlt die Frequenz in den Betrieben, die Kunden werden natürlich nachlässiger mit der regelmäßigen Wartung oder fahren – mit älteren Fahrzeugen – verstärkt zum Pfuscher. Das alles führt zum Hauptproblem dieser Entwicklung: der Verkehrssicherheit.
Denn die schmerzlichen Kosten an Eigentum, an Leib und hoffentlich nicht an Leben, trägt jeder einzelne, der durch technische Mängel im Straßenverkehr in Unfälle verwickelt ist.
Angeblich gibt es keinen überprüften Zusammenhang zwischen Fahrzeugzustand, also Mängeln, und dem Unfallgeschehen. Dann wäre es längst an der Zeit, diesen Zusammenhang zu überprüfen und eine Analyse zu beauftragen: Poröse Reifen, abgenutzte Stoßdämpfer, ausgeschlagene Fahrwerksteile, verschlissene Bremsen oder nur abgenutzte Scheibenwischer? Wie viele Unfälle könnten durch optimal funktionierende Fahrzeuge vermieden werden?
Natürlich kann man sich nun auf die EU-Position zurückziehen, aber ist das wirklich immer die beste Lösung? Das Bewusstsein, dass schlecht gewartete, zu selten überprüfte und mangelhafte Fahrzeuge (vom Moped über den Pkw und Anhänger bis zum Lkw) (lebens-)gefährlich sind, sollte bei den Konsumenten geschärft werden. Die politische Botschaft – mit der Pickerl-Intervall-Verlängerung als Aufhänger für eine viel zu dünne Entbürokratisierungs-Kampagne – bringt leider genau das Gegenteil und erklärt vielmehr, dass die Überprüfung gar nicht so wichtig ist.
Darüber hinaus darf man die Frage stellen, wo hier der Aufschrei der Autofahrerklubs und vor allem der sonst so starken Bundesländer bleibt? Schließlich ist die Überprüfung Ländersache und in den entsprechenden und hier sehr kompetenten Abteilungen weiß man ganz genau über die Probleme mit mangelhaften Fahrzeugen im Straßenverkehr Bescheid.
Die Chancen auf eine Rücknahme stehen leider schlecht, das Thema bei allen politisch Verantwortlichen in seinem persönlichen Umfeld anzusprechen, schadet aber sicher nicht. Denn die tatsächliche Ausgestaltung der Neuregelung ist noch offen und der Teufel steckt bekanntlich im Detail.
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