Ob seitens der Messe so gewollt oder nicht, es war ein klares Signal bei der diesjährigen MotionExpo in Graz: Gleich beim Eingang, im Vorraum zur Haupthalle, waren drei neue chinesische Marken die ersten Aussteller, die man auf der Messe zu sehen bekam.  

So haben mit XPeng und GAC Aion die beiden Hersteller den Eingang flankiert, die im Magna Werk in Graz assembliert werden. Ein Stück weiter hat kurzfristig noch Chery Tiggo den letzten Ausstellungs-Platz gebucht. Weiter ging es drinnen mit BYD, MG, Omoda & Jaecoo, Leapmotor, Smart und Polestar. Vor ein paar Jahren hätte man sich das wohl nicht vorstellen können, selbst zum vergangenen Jahr hat sich wieder sehr viel getan. Die chinesischen Marken sind breit in Österreich angekommen. Hier eine Auflistung der bereits in Österreich erhältlichen China-Marken (in alphabetischer Reihenfolge):

  • BYD
  • Chery Tiggo (Chery)
  • Farizon (Geely)
  • Leapmotor (mit Stellantis)
  • Lynk&Co (Geely)
  • Maxus (SAIC)
  • MG (SAIC)
  • Nio/Firefly
  • Omoda | Jaecoo (Chery)
  • Polestar (Geely)
  • Smart (Geely, bei Mercedes-Benz-Händlern)
  • XPeng

Genau genommen müsste man auch die historische Marke Volvo als Geely-Tochter und mit Geely-Technik zu den chinesischen Marken zählen. 

Weitere Marken vor dem Start

In nächsten Schritt starten Denza (BYD) und GAC Aion in Österreich, Marke wie Changan oder Zeekr (Geely) sind bereits in anderen europäischen Ländern aktiv und stehen ebenso vor dem (noch nicht bestätigten) Markteintritt. Ebenfalls schon in Europa gelandet sind etwa Hongqi ("der chinesische Rolls Royce") oder Voyah.

Erwähnen kann man darüberhinaus Marken wie Baic, DFSK, BAW, Seres oder Forthing, die derzeit über den langjährigen Spezialisten Indimo importiert und in Österreich teilweise über RB Motors – auch an Händler – angeboten werden.

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Bleiben noch (neue) Marken aus anderen Ländern, die wie KGM (ehemals SsangYong, aus Südkorea) bereits in Österreich verfügbar sind oder wie Togg (Türkei) oder Vinfast (Vietnam) bereits in Deutschland erhältlich sind, aber noch keine Österreich-Pläne kommuniziert haben. Lucid (USA) hat soeben für 2026 den Marktstart hierzulande angekündigt.

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Allen gemeinsam ist das klare Bekenntnis zum etablierten Fahrzeughandel, Testläufe mit Direkt- oder Online-Vertrieb sind Geschichte. Alle nun aktiven Hersteller wissen, dass ein Markterfolg in Europa nur mit dem Kunden-Vertrauen zum regionalen Händler möglich ist. Das ist gut.

Marken-Erweiterung als Chance und Herausforderung

Für den österreichische Fahrzeughandel ist die Entwicklung spannend und herausfordernd wie nie zuvor. Mit dem Neuzulassungsloch der vergangenen Jahre und der wachsenden Elektromobilität sinken Auslastung und Erträge in den Werkstätten. Viele etablierte Marken haben zudem Marktanteile verloren, manche ihr Modellprogramm gestrafft und damit Lücken bei Stammkunden aufgerissen. Für die meisten Händler ist eine Erweiterung des Marken-Portfolios aus einem oder mehreren der oben genannten Gründe also alternativlos. 

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Bei manchen Herstellern, wie etwa Stellantis, haben sich für die größeren Partner Erweiterungen innerhalb des Konzerns ergaben, andere Händler haben sich bereits mit den neuen Marken vereinbart, viele überlegen noch. Die Entscheidung ist denkbar schwierig: braucht es die Erweiterung wirklich, welche Marke soll es sein, welche ist in der jeweiligen Region noch verfügbar, was passt zu den Kunden und vor allem: wie entwickelt sich die Marke und der Konzern.

Denn China-Speed gilt nicht nur in der Technik, sondern auch im Vertrieb: so schnell wie Importeure oder Marken gekommen sind, sind sie möglicherweise auch wieder verschwunden. Hier gibt es Entscheidungshilfen und Expertenmeinungen, aber 100% Sicherheit gibt es bei keiner China-Marke.

Klar ist: die neuen Anbieter steigen sowohl technologisch wie auch vertriebsseitig gleich ganz oben ein. Während sich damals die japanischen und später die koreanischen Newcomer anfangs nur über den Preis positioniert und mit kleinen Partnern begonnen haben, docken die meisten chinesischen Brands gleich bei den großen Händlern an. Technologisch gibt es – vor allem im Bereich der Elektromobilität – ohnehin wenig Zweifel.

Neue Marken als Frequenz-Bringer

Was sich spätestens seit den aktuellen Frühjahrs-Messen gezeigt hat: die neuen Marken sind ein Frequenz-Bringer, die Kunden sind sehr interessiert. Ob dann tatsächlich bei den neuen Anbietern zugeschlagen wird oder doch beim etablierten Modell unterzeichnet wird, werden die kommenden Zulassungszahlen zeigen. Sowohl für den Händler (und damit auch für seinen bestehenden Importeur) gilt hinsichtlich der neue Marken: besser im eigenen Haus als beim Nachbarn.

Ohne Ergänzung wird es in vielen Fällen kaum gehen. Die Entscheidung ist allerdings schwer und langfristig entscheidend.