Ja es stimmt: Immer wiederkehrende zeitaufwändige Tätigkeiten werden durch KI (RPA´s Robotic Process Automations) schon sehr viel schneller erledigt als durch Menschen. Das trifft für die Bereiche Datenanalyse, Datenzusammenstellung und -suche und im Marketing z.B. bei der Content-Generierung zu. 

ABER: Es erfordert immer noch - und wahrscheinlich noch sehr lange - kompetente Mitarbeiter mit der Expertise,  die von der KI gelieferten Daten und Inhalte zu verifizieren, sie einzuordnen und auf Relevanz und Belastbarkeit zu prüfen. KI lebt von Daten, das bedeutet: Bullshit in …Bullshit out. 

Diese Expertise haben erfahrene Mitarbeiter ganz sicher! 

Aber nutzen sie diese wegen z.B. blindem Vertrauen zur KI überhaupt? Oder nutzen sie KI Anwendungen aus Angst um den Job oder Kompetenzverlust gar nicht?

Das wäre aber dringend notwendig, da angeblich jetzt schon mehr als 60% des Internet Traffics KI generierte Inhalte sind, aus denen sich die KI selbst speist. 

Somit wird sich Bullshit potenzieren, solange die KI keine selbstprüfenden kritischen Parameter anlegt. Und das macht sie nicht, da sie ja ein LLM, ein Large Language Model ist und keine "Intelligenz" im herkömmlichen Sinn. 

 Hier ist die menschliche Expertise immer noch unersetzlich! 

Wie viele Mitarbeiter haben Sie in Ihrem Betrieb schon Richtung KI geschult? 

Ich meine nicht im Hinblick auf die Nutzung von KI Tools durch richtiges Prompten. Das sollte mittlerweile eine ähnliche Selbstverständlichkeit haben wie früher Excel oder PowerPoint Schulungen. Ich meine das Nutzen der KI Tools als Werkzeug mit konstruktiv-kritischer Prüfung der Ergebnisse. 

Vielleicht zu abstrakt? Bleiben wir ganz konkret im Autohaus: 

Auftragsvorbereitung: 
Die immer gleichen sich wiederholenden Tätigkeiten bei der Auftragsvorbereitung wie  

  • Prüfung Fahrzeughistorie
  • Gesetzliche Sicherheitsprüfung (§57a, TÜV etc.)
  • Prüfung Serviceaktionen 
  • Prüfung Rückrufaktionen
  • Einholung der Freigaben
  • Ermittlung von Arbeitspositionen und Wartungsplänen
  • Ermittlung Teilebedarf, Lagerprüfung und Nachbestellung 
  • Ablaufdaten einzelner Komponenten etc. 
  • Mögliche Zusatzverkäufe

kann die KI in wenigen Minuten erledigen für die ein Mensch gerne einmal 20-30 Minuten braucht. 

ABER: Die Überprüfung ob alles vollständig und schlüssig ist, etwa die DPF-Serviceaktion bei einem Benziner, muss der Mitarbeiter mit seiner Expertise leisten. 

Zweites Beispiel: Rechnungsvorbereitung und Rechnungserstellung 

Die immer gleichen, sich wiederholenden Vorarbeiten wie

  • Ermittlung der richtigen Verrechnungssätze für Kunden, Versicherung, Garantie, Leasinggesellschaft, Wartungsverträge, Fuhrparkverwalter etc. 
  • Ermittlung der richtigen Teilepreise für Kunden, Versicherung, Garantie, Leasinggesellschaft, Wartungsverträge, Fuhrparkverwalter etc. 
  • Prüfung / Freigaben für Leasing, Versicherung, Garantie und Kulanz 
  • Optimierung der Abrechnungspotentiale

kann eine KI erledigen. 

ABER: Die Prüfung der Rechnung kann/muss ein Mitarbeiter mit entsprechender Expertise durchführen. 

Bei einem ehemaligen Arbeitgeber von mir haben wir eine Projekt "Kampf dem Schwachsinn" ausgerufen, da wir festgestellt haben, dass die Serviceberater weniger als 20% mit direktem Kundenkontakt verbringen. Der Rest waren oben angeführte, sich wiederholden Tätigkeiten inklusive dem teilweise unsäglich lästigen, bürokratisch überbordenden Garantieteilehandling. Die oben angeführten KI-Anwendungen wären damals die Lösung gewesen und sind es heute umso mehr. 

Bis es so wie in den beiden oben beschriebenen Beispielen läuft, ist es ein langer Weg, der durchaus auch Jahre in Anspruch nehmen kann. Den Weg nicht zu gehen wäre fatal für Ihr Unternehmen. 

Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt! 

Starten sie jetzt mit ersten kleineren, schon bewährten KI-Anwendungen. Sammeln Sie Erfahrungen mit den Mitarbeitern, mit begleitenden Partnern und natürlich den KI-Anwendungen in der täglichen Praxis. Diese werden Ihnen später helfen, auch den langen Weg erfolgreich zu gehen.


Horst Pohl ist mit HP Autohausconsulting Unternehmensberater mit Schwerpunkt Automobilbranche.

Der A&W-Verlag bildet ein breites Meinungsspektrum ab. Kommentare müssen nicht der Meinung des Verlages entsprechen.